Geduld

19/01/2014 13:20

"Herr, gib mir Geduld. Und zwar jetzt." So amüsant es klingt, es ist doch ein realistisches Szenario. Wir alle wünschten, wir wären geduldiger, aber selten nur sind wir bereit "uns in Geduld zu üben". Dabei gibt uns die Bibel genug gute Beispiele(Opa, das ist ein "Link", also eine Verknüpfung. Wenn du die Worte "genug gute Beispiele" anklickst öffnet sich ein neues Fenster.). Viele der großen Figuren in der Bibel beweisen ein ungeheuerliches Maß an Geduld. Und es kommt ihnen sehr zu Gute.

Nehmen wir Joseph. Gott stellt ihm in seiner Jugend eine große Zukunft in Aussicht. Und als nächstes landet Joseph im Brunnen. Er wird verkauft und landet als Sklave in einem fremden Land. Aber er hält an Gott fest. Irritieren lässt er sich nicht, Gott hat ihm ja etwas in Aussicht gestellt. Langsam arbeitet er sich hoch. Seine Zuversicht scheint berechtigt als er letzten Endes zum höchsten Diener des Potifar wird. Fast ein freier Mann, höher kann ein Sklave eigentlich nicht aufsteigen. Doch dann... unverschuldet landet Joseph im Gefängnis. Alles ist wieder dahin. Schlimmer noch, wenn man so drüber nachdenkt. Trotzdem lässt er sich auch diesmal nicht unterkriegen. Im festen Glauben an Gott vertraut er weiter auf dessen Plan. So steigt er auch hier wieder im Ansehen. Man macht ihn zum Ersten unter den Gefangenen. In dieser Position begegnen ihm Mundschenk und Bäcker. Und der Mundschenk wird ihn später dem Pharao empfehlen. Das bringt ihn schließlich aus dem Gefängnis, direkt neben den Thron eines der mächtigsten Herrscher seiner Zeit. Joseph regiert Ägypten und der Pharao vertraut ihm in allen Dingen. Als es zur Hungersnot kommt, treten Leute aus aller Welt vor ihn, knien nieder und bitten um sein Wohlwollen. Auch seine Brüder kommen so vor ihn. Was er in seiner Jugend geträumt hat, macht endlich Sinn.

Die Geschichte ist immer recht schnell gelesen. Wenn man nicht darüber nachdenkt, wirkt es wie ein kurzes Kapitel. In Wirklichkeit handelt es sich aber um den größten Teil eines Menschenlebens. Joseph ist jung als er von seinen Brüdern verkauft wird. Es dauert wohl Monate, bis er in Ägypten ist. Dann geht es aber erst richtig los. Vom niedersten Sklaven arbeitet er sich zum höchsten Diener eines sehr mächtigen Mannes hoch. Weniger als zehn Jahre dürfte das wohl kaum gedauert haben. Und auch bis jemand, der wegen versuchtem Ehebruch im Gefängnis sitzt wieder so viel Vertrauen erhält, dass er allen Gefangenen vorstehen darf vergehen wohl Jahre. Selbst zwischen der Erhöhung des Mundschenks und den Träumen des Pharao vergehen vermutlich wenige Jahre. Immerhin braucht der Mundschenk eine ganze Weile, bis ihm Joseph wieder einfällt. Eine klare Angabe von Jahren haben wir dann mit den zwei mal sieben Jahren. Irgendwann in der zweiten Hälfte dieser Zeit, kommen seine Brüder zum ersten Mal. Da die Reise sehr langwierig ist und sich nur für große Einkäufe lohnt, nehmen sie wahrscheinlich richtig viel Getreide mit und es dauert wieder eine ganze Weile, bis sie erneut kommen müssen.

Joseph hat am Ende, was Gott ihm in Aussicht stellte. Aber er musste geduldig warten. 17 war er, als er seine Träume hatte. Als er als Herrscher über Ägypten seine Familie empfängt dürfte er ein alter, oder zumindest älterer Mann sein.

Das ist Vertrauen, Das ist Glaube. Geduld, in fester Zuversicht darauf, dass Gott seine Zusagen wahr werden lässt.